Schwanengesang


Hallo liebe Leser!

Mein Fenster geht auf einen kleinen Hafen hinaus. Rotterdam-Centrum, ein Platz unerwarteter Naturschönheit. Ich höre die Geräusche eifriger Vögel. Auf einem alten Baumstamm, der im Wasser schwimmt, bauen zwei Blässhühner ihr Nest. Mit handwerklicher Präzision werden Äste zu einem seltsamen Bauwerk zusammengefügt.

Wo sind die Schwäne? Ich habe sie dieses Jahr noch nicht gesehen? Ich halte nach ihnen Ausschau, bis plötzlich das Paar in den Hafen gepaddelt kommt. Zwei? Keine Kleinen?

Plötzlich heben sich die Flügel und spritz, spritz, spritz … eine Reihe Federbällchen springt vom Rücken von Mama Schwan und landet im Wasser. Die Eltern bewachen den gefährlichen Weg zu dem großen Fluss. Ich sehe zu, wie die Kleinen Schwimmunterricht bekommen. Ein lustig-chaotisches Geschwimme und Gepiepe. Die Schwäne schauen ihrem Nachwuchs zu und nacheinander. Ihre Hälse formen ein perfektes Herz. In dem Herz sehe ich die herumpiependen Kleinen.

Das erinnert zwar an eine zuckersüß-kitschige Hochzeitskarte, aber es ist real, es passiert vor meinen Augen. Tränen schießen in meine Augen wegen der übernatürlichen Schönheit der Szene. Wo ist meine Kamera, nie ist sie da, wenn man sie mal braucht. Dann schreit ein Reiher, fliegt von einer Gerüststange auf, über die Schwanenfamilie hinweg. Der Frieden ist gestört.

Die Schwingen von Mama Schwan heben sich, die Küken hüpfen zurück auf ihren Rücken und verschwinden unter den Federn. Die Schwäne paddeln und verschwinden um die Ecke herum.
 

In LVX
Ina

 


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